Verlegen von Felsen oder Steinen.

Schon in den Zeiten des Neolithikums verwendeten die Agrarvölker in fast allen europäischen Regionen Felsen zu Kultzwecken. Die Megalith-Türme und Steinringe findet man noch heute.

Die Kunst, Felsen zu verlegen, wurde in den buddhistischen Klöstern zur Perfektion gebracht und im 11. Jahrhundert in dem Buch Zakuteiki verfasst. Dort wird gewarnt, dass die nicht richtig verlegte Felsen Unheil bringen können. Dies betrifft den Gartenbesitzer wie auch den Felsenverleger.

Einer der wichtigsten Kanons, der bei Felsensetzungen verwendet wird, ist Fukinzei, zu uebersetzen als „Gleichgewicht in Asymmetrie". Viele dort formulierte Grundlagen und praktische Hinweise haben bis heute ihre Aktualität nicht verloren.

Felsen können einen Eindruck der Stabilität vermitteln oder eine Spannung hervorrufen, sich integrieren oder Inseln bilden und verschiedenen Gartenelemente durchdringen wie z.B. Bachläufe, Wasserfälle, Teiche, Terrassen.

Seiten eines Steines

Manche Felsen haben die größte Wirkung, wenn sie flach verlegt werden (yoko-ishi), andere wenn sie senkrecht verlegt werden (tate –ishi). Alle Felsen müssen ein Verhältnis mit dem Garten bilden, da sie sein "festes Skelett" darstellen. Sie sollten zumindest teilweise in der Erde versenkt sein und nicht nur auf der Oberfläche liegen. Das Platzieren von Felsen im Garten unterliegt nicht nur ästhetischen Grundlagen, sondern ist auch mit den Grundlagen der Landschaftsakupunktur und Geomantie eng verbunden. Felsen konzentrieren Masse und Energie. Sie sind wie elektrischen Batterien polarisiert und vermitteln der Umwelt ihre Energie inverschiedenen Formen. In ihr Verlegen müssen unheimlich vielphysikalische und, wenn wir einen optimalen Effekt erreichen wollen, auch intellektuelle Energie investiert werden.

Der Gestalter sollte Gespür und Verständnis für Natur haben. Das Ablesen und Interpretieren der landschaftlichen Signale gehört zu wichtigsten Aufgaben.

Auch die physikalischen Eigenschaften der Steine dürfen nicht vergessen werden. Wenn sie sehr porös sind und leicht von Wasser durchtränkt werden, können sie durch Frosteinflüsse schnell korrodieren und fallen auseinander. Wenn für den Bau von Wasserbecken, Kaskaden oder Bachläufen nährstoffreiche Felsen eingesetzt werden, wird dies einen negativen Einfluss auf die Wasserqualität haben und die Oberfläche der Felsen mit einem unschönen, schwierig zu beseitigenden, grünen "Pelz" aus Algen versehen sein.

Auch der Kalkgehalt bleibt nicht ohne Einfluss auf die Funktionsweise eines Gewässers.

Felsengruppen - Entscheiden wir uns für den Einsatz von Felsen, sollten sie sich in ihrer Größe stark unterscheiden - von tonnenschweren Megalithen bis zu Kies. Je stärker der Stein einer Kugel oder einem Kubus ähnelt, desto schwieriger sind diese einzusetzen. Ein Stein hat ein "Gesicht", das in die Richtung gerichtet werden soll, von welcher es meistens betrachtet wird. Aus Prinzip verwendet man ungerade Anzahl von Felsenblöcken in verschiedenen Größen. Eine typische Anordnung heißt Sanzon und besteht aus einer Gruppe von mindestens drei Steinen, die in einem Dreieck verlegt werden, welches die drei Elemente der buddhistischen Lehre symbolisiert. Der größte Stein symbolisiert den Himmel, der mittlere die Erde und der kleinste den Menschen.

Gehsteine - werden für Pfade verwendet und sollten mindestens 60 cm oder besser sogar 100-120 cmbreit sein; insbesondere, wenn sie für eine Wasserüberquerung eingesetzt werden. Beim Verlegen sollten die Formen so aneinander angepasst werden, als bildeten sie eine Einheit. Wenn möglich, verwendet man zusätzlich auch kleinere Steine, die in Japan „sute- ishi" genannt werden. Die zum Gehen verwendeten Flachsteine müssen stabil verlegt werden und ca. 3-8 cm über die Erde oder Wasseroberfläche herausragen. Wenn sie allerdings zwischen Pflastersteinen oder in einer Holzterrasse verlegt werden, sollten sie auf Umgebungniveau liegen.

Felsengruppierungen, Wasserfälle - sehen am besten aus, wenn Steine mit angedeuteter Richtung, Linien der geologischen Schichtabsprüngen oder Rissen verwendet werden. Dafür sind Sandsteine und Schiefersteine geeignet. So entstehen "Anhaltspunkte" oder "Anhaltslinien", deren Richtung ähnlich wie in natürlichen Felsensammlungen ein Leitmotiv darstellen kann. Am besten eignen sich lokale Felsen, vor allem, wenn sie sichtbar in der Landschaft liegen.

Ähnlich wie bei der Verwendung von in der nächsten Umgebung vorkommenden Baumarten, lässt sich so ein Dialog gestalten, eine Suche nach Elementen, die den Garten mit der umgehenden Landschaft verbinden. Verwendet man exotische Bäume, wie z.B. Lebensbäume (das am weitesten verbreitete Gartenunkraut), so hat man wirksam den Dialog mit der Natur vernichtet. In städtischen Anlagen, wo die Verbindung mit der Landschaft verloren gegangen ist, kann in Bezug auf Steine und Pflanzen freier gehandelt werden. In Anlagen, die unmittelbar an natürliche, offene Räume grenzen, muss mehr auf die Auswahl des Materials geachtet werden. Kalkfelsen aus dem Hochgebirge werden auf dem Flachland eher eine störende Wirkung haben, insbesondere wenn damit die natürlichen Formen nachgeahmt werden. Es ist geschickter, sich für formale Lösungen zu entscheiden, ohne die "künstliche" Abstammungzu verbergen. Derfür diese Umgebung passende Gletscherstein eignet sich sehr gut zur Bildung von Teichen, Bachläufen, Wasserquellen oder Kaskaden. Auch Steingruppierungen können damit erstellt werden. Eine natürliche Felsengruppierung aus Feldsteinen zu erreichen, ist schwierig und es entsteht leicht der Eindruck eines "Steinhaufens". Die Verwendung von nebeneinanderliegenden, gleich großen Steinen ist außer bei Strukturen wie Mauern oder Kopfsteinpflaster, nicht zu empfehlen. Bei der Auswahl der Steine sollte auch auf ihre Farbe geachtet werden. Dabei beschränkt man sich am besten auf eine bestimmte Farbpalette, konzentriert sich auf derer Formen und vermeidet so die "billigen" kontrastierenden Farbeffekte.

In gewissen Situationen können die Felsen einen mehr oder weniger spürbaren Eindruck von fehlender Stabilität vermitteln. Sie drohen zu rutschen und wirken als Bedrohung. Dieser Effekt der dramatischen Spannung kann gewünscht sein, sollte aber nur in außergewöhnlichen Situationen angewendet werden.

Die eigentliche Verlegung der Felsen sollte unter Berücksichtigung der Statik durchgeführt werden. Die Felsen müssen auf den Beobachter auf eine "natürliche und selbstverständliche" Weise so wirken, als hätten sie hier schon seit Jahrhunderten gelegen. Dieser Effekt kann durch Bedeckung mit Patina aus Flechten, Moosen und Farnen verstärkt werden, deren Entwicklung mit Urin und Joghurt beschleunigt werden kann. Die Verlegung von Felsen in einem "Zuckerbeckerstil" ist epidemisch. Das Bedürfnis, alles gerade und symmetrisch zu verlegen, ist ein schwer zu überwindender Instinkt. Die Grundlagen, die bei der Verzierung von Pfefferkuchen, Bajadere und Torten angewendet werden, führen dazu, dass charakteristische "Rosenkränze" um die nierenförmigen Wasserbecken oder um die mit Rindenmulch verlegten Rabatten entstehen.

Steinanordnungen verbunden mit Wasseranlagen passen zu moderner Architektur. Eine Wasseroberfläche und gläserne Fassaden sind ähnliche Fakturen und eignen sich sehr gut für die Verbindung von vertikalen Strukturen der Architektur mit den horizontalen Strukturender Umgebung.Ähnliche Korrespondenz kann zwischen steinigen Elementen der Fassaden, Terrassen und sonstigen steinigen Strukturen bestehen.

Die Felsen und Kiesflächen bilden mit ihrer Dynamik Kontrapunkte und lebendige Strukturen und kontrastieren mit der technischen Perfektion moderner Baustoffe. Sie können in die Innenräume durch Glastafeln eindringen, rustikale Fassadenverkleidung bilden und in Holzterrassen eingesenkt werden und in einem ständigen Dialog zwischen offenem Raum, Architektur, Natur verbleiben.

Die richtigen Beziehungen zwischen Geländeform, Felsen, Bäumen und Wasser, unabhängig davon, ob sie durch Natur gebildet oder durch eine bewusste Umwandlung entstanden sind, verschaffen ein Harmoniegefühl, wirken therapeutisch und erholsam und helfen, das Wohlbefinden zu erhalten oder wiederzuerlangen. Um die meisten Vorteile, nicht nur die optischen, miteinander zu verbinden, lohnt es sich, die Fragen der Raumanordnung den Personen anzuvertrauen, die nicht nur "Raumdesigner" nach den stets vergänglichen, "modernsten" Trends sind, sondern denjenigen, die auch einen Dialog mit der Natur aufnehmen können.

 

Der Steinbruch

Der Planer kann nur die allgemeine Skizze der Steinanordnung erstellen und die geschätzte Menge an Material voraussehen. Eine wichtige Etappe bei der Arbeit ist ein Besuch im Steinbruch, wo das Material ausgewählt wird. Hier sucht man nach den "Akteuren", die die Hauptrollen spielen sollen. Die "Statisten" werden tonnenweise bestellt. Erfahrung und Instinkt können dabei durch nichts ersetzt werden. Fotos der Felsenblöcke können eine virtuelle Komposition erleichtern.

Oft müssen die Felsen zusätzlich richtig angepasst, bearbeitet oder gebrochen werden und gelegentlich auch fehlende Fragmente angeklebt werden.

Für manche Felsen muss ein "jüngerer Bruder" gefunden werden. Zu diesem Zweck werden die Kandidaten, die an diesem "Casting" teilnehmen, nebeneinander direkt an dem Bestimmungsort flach ausgelegt. Der Arbeitsleiter wählt dann unter den ausgelegten Steinen den richtigen Kandidaten.

Einige werden mit Farbe gekennzeichnet und gebrochen, so dass sie später an dem Bestimmungsort geschickt verlegt werden können. Die Arbeiten werden durch aufgepumpte Plastiksäcken erleichtert, mit derer Hilfe die Visualisierungen von möglichen Lösungen realisiert werden können.